Hartz-IV-Empfänger: Dienst im Verkehrswesen?

August 30, 2006 von nurso

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee geniesst eigentlich den Ruf eines besonnenen Politikers ohne viel Wind um seine Aussagen; sein letzter Vorstoss, Empfänger von Hartz-IV-Leistungen als Verkehrspatrouille – auch im Anti-Terror-Kampf – einzusetzen, hatten öffentlich Entrüstung verursacht, berechtigt wie ich finde: wie sollen fachfremde Personen, ohne jeglicher Ausbildung, vermeintliche Terroristen oder gar verdächtige Terrorakte in Vorbereitung ausmachen ? Und das in einem Bereich, in dem ausgebildete Fachkräfte und Strafverfolgungsbehörden ihre Probleme haben

Jetzt behauptet der beliebte Politiker, seine Aussagen wären missverstanden worden, sein Vorschlag beziehe sich auf den Einsatz der Hartz-IV-Empfänger als „Servicepersonal“ im öffentlichen Verkehrswesen. Laut Zeit „…sollten Langzeitarbeitslose im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden. Sie sollten dort beispielsweise älteren Menschen beim Ein- und Aussteigen helfen, Fahrplan-Auskünfte geben oder Vandalismus und Graffiti-Schmierereien verhindern helfen.“
Hat sich der SPD-Politiker zuerst zu weit aus dem Fenster gelehnt und versucht er jetzt zurück zu rudern, oder hat die gelangweilte Presse mal wieder versucht, den Joghurt heiss aufzukochen ? Angesichts der Tatsache, dass dies ein lange vorbereitetes Pilotprojekt ist, was jetzt im Herbst anlaufen soll, muss man annehmen, dass die Journaille etwas hinzu fantasiert hat – war ja auch Sommerpause.

Der Storch am Wegerand

August 19, 2006 von nurso

Einige Kilometer nach der Ausfahrt aus Sibiu, an der Gabelung nach Sibiel, wohnt ein Storch mit seiner Familie. Die Hauptstrasse soll irgendwann einmal zu einer Autobahn werden, hauptsächlich finanziert durch die EU, versteht sich. Die neue „Lebensader“ soll Wohlstand bringen – hofft man. Das alles, scheint aber dem Storch egal zu sein: er füttert seine Jungen durch, same procedure as every year. Er hat alles im Blick und er scheint weise zu sein, denn er hat vorsichtshalber sein Nest auf einem Strommast gebaut, wahrscheinlich hat er sich dabei erhofft, dieser würde im Falle anstehender Veränderungen nicht so schnell abgerissen wie ein Schornstein samt dem darunter liegenden Haus.

Nest

Einig hundert Meter weiter befindet sich ein kleiner See, rund herum Moor und Schilf; das scheint dem Storch zu gefallen. Vielleicht weiss er nicht, dass wenn die Autobahn gebaut wird, der See dem Wohlstandsbringer weichen muss, vielleicht weiss er das auch, aber es ist ihm egal. Es gibt rund herum genug Lebensraum, als moderner Storch ist man ja flexibel. In zwanzig Meter Entfernung gibt es noch einen Licht- und Strommast, da residiert das Oberhaupt der Familie und blickt in die Ferne – seine Brut immer im Blick:

Storch auf Mast

Soweit ich es überblicken kann, hat der Storch 3 Nachkommen, leider konnte ich sie – obwohl einige Male daran vorbeigefahren – nicht fotografieren.
Dieser Vogel vermittelt eine unwahrscheinliche Souveränität: er scheint, durch nichts aus der Ruhe gebracht werden zu können…sein Weg scheint vorgegeben, seine Zukunft wird vom biologischen Überleben geprägt, Sorgen kennt er keine; ein beneidenswertes Wesen, dieser Storch.